061 Allgemeine Navigation – CPL(A) 00:00:00 Position, Richtung und Bewegung Navigation verbindet drei Fragen: Wo befindet sich das Flugzeug, wohin soll sein Weg über Grund führen, und welche Flugzeugausrichtung erzeugt diesen Weg unter dem vorhandenen Wind? Position, Track und Heading sind deshalb verschiedene Größen. Eine Karte liefert den räumlichen Bezug. Zeit, Geschwindigkeit und Wind erklären die Bewegung. Für die CPL-Theorie musst du diese Beziehungen auch ohne alleinige Abhängigkeit von einer Kartenanzeige verstehen. Beginne jede Aufgabe mit einer Skizze und beschrifte Nordbezug, geplanten Flugweg, Windrichtung und die gesuchte Größe. 00:00:44 Koordinaten und Entfernungen Die geografische Breite beschreibt die Lage nördlich oder südlich des Äquators, die Länge die Lage östlich oder westlich des Bezugsmeridians. Eine Bogenminute entlang eines Meridians entspricht näherungsweise einer nautischen Meile. Auf einem Breitenkreis entspricht eine Längenminute dagegen nur am Äquator ungefähr einer nautischen Meile. Mit zunehmender Breite wird der Abstand der Meridiane kleiner. Verwechsle daher Winkelunterschied und Bodenentfernung nicht. Beachte bei Koordinaten außerdem das Format: Grad mit Dezimalminuten ist nicht dasselbe wie Grad, Minuten und Sekunden. 00:01:26 Nordbezüge und Kursbegriffe Rechtweisende Richtungen beziehen sich auf geografisch Nord, missweisende auf magnetisch Nord. Die Missweisung beschreibt den Unterschied zwischen diesen Bezügen. Die Deviation entsteht zusätzlich durch den Magnetismus im Flugzeug und betrifft die Kompassanzeige. Arbeite mit einer konsequenten Vorzeichenregel und der in der Aufgabe angegebenen Konvention. Der Track ist die Bewegungsrichtung über Grund; das Heading beschreibt die Ausrichtung der Flugzeuglängsachse. Ein vollständig korrekt in den magnetischen Bezug umgerechneter Track ist deshalb noch nicht automatisch der zu steuernde Kompasskurs: Wind und Deviation können zusätzlich zu berücksichtigen sein. 00:02:12 Das Winddreieck Der Bodenvektor ist die Summe aus dem Bewegungsvektor durch die Luft und dem Windvektor. Der Wind wird meteorologisch nach der Richtung benannt, aus der er kommt; sein Bewegungsvektor zeigt in die entgegengesetzte Richtung. Bei Querwind musst du in den Wind vorhalten, um den gewünschten Track einzuhalten. Die nötige Korrektur hängt unter anderem vom Verhältnis zwischen Querwind und TAS ab. Ein Gegenwind verändert überwiegend die Groundspeed, ein reiner Seitenwind erzeugt Abdrift und verändert ebenfalls die zum Track gehörige Groundspeed. 00:02:50 Rechenbeispiel: Vorhaltewinkel Der gewünschte Track und die Windrichtung bilden in diesem Lehrbeispiel einen rechten Winkel. Die TAS beträgt einhundertzwanzig Knoten, die reine Querwindkomponente zwanzig Knoten. Für den Vorhaltewinkel gilt Sinus des Winkels gleich zwanzig durch einhundertzwanzig. Das ergibt etwa neun Komma sechs Grad. Du hältst zur Seite vor, aus der der Wind kommt. Die Groundspeed auf dem gewünschten Track beträgt unter diesen Bedingungen ungefähr die Quadratwurzel aus einhundertzwanzig zum Quadrat minus zwanzig zum Quadrat, also etwa einhundertachtzehn Komma drei Knoten. 00:03:31 Koppeln und Position bestätigen Bei der Koppelnavigation schreibst du eine bekannte Position mit Richtung, Geschwindigkeit und Zeit fort. Jede Unsicherheit kann dabei wachsen: Ein unerkannter Windfehler verursacht seitliche und zeitliche Abweichungen. Vergleiche die erwartete Position deshalb mit geeigneten beobachteten Merkmalen oder unabhängigen Navigationsquellen. Ein einzelner ähnlicher Ort kann zur falschen Bestätigung verleiten. Suche nach mehreren zusammenpassenden Merkmalen. Bei Unsicherheit bleibt sichere Flugzeugführung vorrangig, und die Position wird systematisch neu bestimmt. Zusätzliche Hilfe durch Flugsicherung kann sinnvoll sein. 00:04:16 Faustregel eins zu sechzig Die eins-zu-sechzig-Regel ist eine Näherung für kleine Winkel. Ein seitlicher Fehler von einer nautischen Meile nach sechzig nautischen Meilen entspricht ungefähr einem Grad Trackfehler. Drei nautische Meilen nach sechzig ergeben etwa drei Grad. Eine Korrektur nur um diesen Fehlerwinkel verhindert näherungsweise weiteres Anwachsen, bringt dich aber noch nicht auf die ursprüngliche Linie zurück. Für die Rückführung ist eine zusätzliche Schließwinkelkorrektur erforderlich, abhängig von der verbleibenden Strecke. Die Näherung wird bei großen Winkeln ungenauer und ersetzt keine vollständige Situationsprüfung. 00:04:58 Lernkontrolle Erste Frage: Nach sechzig nautischen Meilen liegt dein Flugweg zwei nautische Meilen neben der geplanten Linie. Wie groß ist der angenäherte Trackfehler? Zweite Frage: Bei geplantem geradem Track kommt der Querwind von rechts. In welche Richtung muss das Flugzeug gegenüber dem gewünschten Track vorhalten? Halte das Video an und fertige eine Vektorskizze an. Überlege zusätzlich, weshalb die Korrektur des Trackfehlers allein nicht ausreicht, um eine bereits bestehende seitliche Abweichung wieder abzubauen. 00:05:42 Lösungen und Zusammenfassung Der angenäherte Trackfehler beträgt zwei Grad. Bei Querwind von rechts hältst du nach rechts, also in den Wind, vor. Zur Rückkehr auf die geplante Linie ist zusätzlich ein geeigneter Schließwinkel nötig. Vertiefe anschließend Kartenprojektionen, Großkreis und Kursgleiche, Zeitrechnung, Magnetismus, Navigationsrechner und Umplanung im Flug. Beschrifte bei jeder Rechnung die Einheiten und den Nordbezug. Eine sauber gezeichnete Skizze ist besonders wertvoll, weil sie viele Vorzeichen- und Richtungsfehler sichtbar macht, bevor daraus ein falsches numerisches Ergebnis entsteht.