00:00:00 Navigation Willkommen zum Fach Navigation für die deutsche Ultraleichtausbildung auf aerodynamisch gesteuerten Dreiachsern. In sechs Kapiteln erarbeitest du zentrale Grundlagen und wendest sie auf typische Flugsituationen an. Nach jedem Kapitel folgt eine eigene Lernfrage mit erklärter Lösung. Halte das Video an, bevor du die Antwort ansiehst. Dieser Grundlagenkurs ergänzt den Unterricht in deiner Flugschule. Er bildet weder den vollständigen vorgeschriebenen Ausbildungsumfang noch einen offiziellen Prüfungsfragenkatalog ab. Für konkrete Verfahren und Grenzen gelten die aktuellen Unterlagen und das Flughandbuch deines Musters. 00:00:41 Karte, Maßstab und Höhen Eine Luftfahrtkarte verbindet Gelände, Flugplätze, Hindernisse und Lufträume. Lies zunächst Legende, Ausgabe und Maßstab. Bei einem Maßstab von eins zu fünfhunderttausend entspricht ein Zentimeter auf der Karte fünf Kilometern in der Wirklichkeit. Eine nautische Meile entspricht exakt eintausendachthundertzweiundfünfzig Metern. Vermische bei Strecke, Geschwindigkeit und Zeit keine Einheiten. Höhenangaben können sich auf den Meeresspiegel oder den Boden beziehen; Flugflächen verwenden einen anderen Druckbezug. Auch an Hindernissen können mehrere Angaben nebeneinander stehen. Lies deren Bedeutung anhand der Kartenlegende. Im Beispiel verläuft eine kurze direkte Strecke über höheres Gelände und unter einem Luftraumsektor. Die Verbindungslinie allein zeigt nicht, ob ein nutzbarer Höhenkorridor bleibt. Prüfe deshalb den vertikalen Verlauf und plane gegebenenfalls eine andere Route. Verlass dich nicht darauf, dass eine auf einem Bildschirm sichtbare Linie bereits alle rechtlichen und fliegerischen Anforderungen erfüllt. 00:01:49 Lernfrage Q01 Wie viel entsprechen 2 cm auf einer Karte 1:500.000? Antwort A: 1 km. Antwort B: 5 km. Antwort C: 10 km. Antwort D: 100 km. Wähle eine Antwort und begründe deine Entscheidung. 00:02:20 Auflösung Q01 Richtig ist Antwort C: 10 km. Ein Zentimeter entspricht fünf Kilometern. Zwei Zentimeter ergeben damit zehn Kilometer. 00:02:34 Richtungen und Bezugssysteme Der gewünschte Weg über Grund ist dein Kurs. Die Richtung, in die die Flugzeuglängsachse zeigt, ist der Steuerkurs. Wind kann beide auseinanderfallen lassen. Daneben musst du zwischen rechtweisenden Richtungen zum geografischen Norden und missweisenden Richtungen zum magnetischen Norden unterscheiden. Die Ortsmissweisung, auch Variation genannt, verbindet diese Bezugssysteme. Eine zusätzliche Kompassablenkung entsteht durch das Magnetfeld des Flugzeugs und wird mit der passenden Korrektur berücksichtigt. Schreibe deshalb zu einer Zahl immer dazu, auf welchen Norden und welche Größe sie sich bezieht. Benutze ein gelerntes Schema, dessen Vorzeichen du mit einer Skizze nachvollziehen kannst. Im Beispiel bleibt die gewünschte Linie nach Norden unverändert, während Seitenwind einen Steuerkurs daneben erfordert. Ein Anzeigenvergleich ohne Bezugssystem kann dann wie ein Gerätefehler aussehen, obwohl verschiedene Größen dargestellt werden. Prüfe auch bei digitalen Anzeigen, ob Kurs, Track oder Heading angezeigt wird und welcher Nordbezug eingestellt ist. 00:03:42 Lernfrage Q02 Warum können Steuerkurs und Kurs über Grund voneinander abweichen? Antwort A: Weil die Erde flach wäre. Antwort B: Wegen des Windeinflusses. Antwort C: Nur durch einen defekten Motor. Antwort D: Weil beide Begriffe immer dasselbe bedeuten. Wähle eine Antwort und begründe deine Entscheidung. 00:04:14 Auflösung Q02 Richtig ist Antwort B: Wegen des Windeinflusses. Der Wind versetzt das Luftfahrzeug gegenüber dem Boden. Die Flugzeugausrichtung muss deshalb gegebenenfalls von der gewünschten Grundlinie abweichen. 00:04:31 Winddreieck und Abdrift Im Winddreieck werden Bewegungen als gerichtete Strecken dargestellt. Die Bewegung des Flugzeugs relativ zur Luft und die Bewegung der Luft relativ zum Boden ergeben zusammen den Weg über Grund. Für eine genaue Rechnung wird die wahre Eigengeschwindigkeit verwendet. Ein Seitenwind verlangt einen Vorhaltewinkel gegen den Wind, wenn der Kurs über Grund gehalten werden soll. Gleichzeitig verändert der Wind die Grundgeschwindigkeit. Im einfachsten Fall fliegt das UL genau gegen einen Wind von zwanzig Knoten. Bei einer wahren Eigengeschwindigkeit von achtzig Knoten bleiben idealisiert sechzig Knoten über Grund. Mit gleich starkem Rückenwind werden es hundert Knoten. Das ist eine vereinfachte Vektorrechnung, keine Handbuchleistung. Bei schrägem Wind werden beide Komponenten berücksichtigt. Achte in der Skizze darauf, dass der Windpfeil zur Bewegungsrichtung der Luft zeigt, obwohl die meteorologische Windangabe ihre Herkunft nennt. Kontrolliere nach dem Start, ob die beobachtete Abdrift zur Planung passt. 00:05:36 Lernfrage Q03 80 kt wahre Eigengeschwindigkeit und 20 kt direkter Gegenwind ergeben idealisiert welche Grundgeschwindigkeit? Antwort A: 100 kt. Antwort B: 80 kt. Antwort C: 60 kt. Antwort D: 20 kt. Wähle eine Antwort und begründe deine Entscheidung. 00:06:09 Auflösung Q03 Richtig ist Antwort C: 60 kt. Bei genau entgegengesetzten Richtungen werden die Beträge abgezogen: achtzig minus zwanzig ergibt sechzig Knoten. 00:06:24 Flugzeit und Kraftstoff rechnen Die Flugzeit eines Streckenabschnitts ergibt sich aus Strecke geteilt durch Grundgeschwindigkeit. Bei sechzig nautischen Meilen und neunzig Knoten sind das zwei Drittel einer Stunde, also vierzig Minuten. Mit einem rein beispielhaften Verbrauch von fünfzehn Litern je Stunde ergeben sich zehn Liter für diesen Abschnitt. Das ist noch keine vollständige Kraftstoffplanung. Rollzeit, Start, Steigflug, Umwege, Ausweichmöglichkeiten und eine geeignete Reserve kommen entsprechend den geltenden Anforderungen hinzu. Verwende den tatsächlichen Verbrauch des Musters und Betriebszustands. Eine Tankanzeige muss mit ihrer Genauigkeit und einer geeigneten Vorratskontrolle beurteilt werden. Im Flug vergleichst du geplante und tatsächliche Zeiten. Mehr Gegenwind kann mehr Zeit und Kraftstoffbedarf bedeuten, obwohl die Motoranzeige unverändert aussieht. Lege deshalb einen Entscheidungspunkt fest, an dem die verbleibende Menge sicher für eine erreichbare Alternative ausreicht. Eine Reserve wird geplant und erhalten; sie ist kein zusätzlicher Reisevorrat für Wunschverlängerungen. 00:07:33 Lernfrage Q04 60 NM bei 90 kt Grundgeschwindigkeit dauern wie lange? Antwort A: 20 Minuten. Antwort B: 30 Minuten. Antwort C: 40 Minuten. Antwort D: 90 Minuten. Wähle eine Antwort und begründe deine Entscheidung. 00:08:03 Auflösung Q04 Richtig ist Antwort C: 40 Minuten. Sechzig geteilt durch neunzig ergibt zwei Drittel einer Stunde. Multipliziert mit sechzig sind das vierzig Minuten. 00:08:19 Sichtnavigation und Koppelnavigation Bei der Sichtnavigation vergleichst du die Landschaft systematisch mit der Karte. Wähle markante und eindeutig erkennbare Punkte wie auffällige Gewässer, Bahnlinien oder markante Geländestrukturen. Ein kleiner Ort kann mehreren Nachbarorten ähnlich sehen. Kombiniere deshalb mehrere Merkmale und die erwartete Zeit. Bei der Koppelnavigation schätzt du aus bekannter Position, Richtung, Geschwindigkeit und Zeit deine neue Position. Die Unsicherheit wächst, wenn Wind oder Steuerkurs von der Planung abweichen. Ein klarer Kontrollpunkt setzt die Rechnung neu an. Auffanglinien wie große Flüsse helfen, eine seitliche Abweichung zu erkennen, sofern sie auf deiner Route geeignet und sicher nutzbar sind. Im Beispiel stimmt die vermeintliche Ortschaft, aber der Fluss liegt auf der falschen Seite. Erzwinge dann keine Bestätigung der ersten Vermutung. Prüfe Alternativen und erhalte eine sichere Flughöhe. Die Vorbereitung soll den Blick nach draußen unterstützen, nicht zu dauerhaftem Kartenlesen im Cockpit führen. 00:09:25 Lernfrage Q05 Ein Kartenmerkmal passt, andere deutliche Merkmale widersprechen. Was ist sinnvoll? Antwort A: Die erste Vermutung ungeprüft bestätigen. Antwort B: Mehrere Merkmale und die Zeitlage erneut abgleichen. Antwort C: Nur den Kartenausschnitt drehen. Antwort D: Sofort bis auf Hindernishöhe sinken. Wähle eine Antwort und begründe deine Entscheidung. 00:10:01 Auflösung Q05 Richtig ist Antwort B: Mehrere Merkmale und die Zeitlage erneut abgleichen. Eine Position braucht mehrere passende Hinweise. Widersprüche sind ein Anlass, die Annahme zu überprüfen. 00:10:18 GNSS, Orientierung und Alternativen GNSS erleichtert die Orientierung, hat aber technische und menschliche Grenzen. Prüfe Kartenstand, Stromversorgung, Bedienung und die Verlässlichkeit der Positionsanzeige. Eine gezeichnete Route kann durch gesperrten Luftraum führen, wenn sie nicht fachlich geplant und aktuell geprüft wurde. Ein Track über Grund ist keine direkte Messung der Flugzeugausrichtung. Kontrolliere digitale Angaben durch Gelände, Zeit und weitere geeignete Informationen. Bereite eine praktikable Alternative bei Geräte- oder Empfangsausfall vor. Wenn du die Orientierung verlierst, stabilisiere zuerst den Flug und halte Abstand zu Gelände, Wolken und erkannten Luftraumgrenzen. Ordne letzte sichere Position, Zeit und geflogene Richtung. Nutze frühzeitig eine passende Funkstelle zur Unterstützung und erkläre die Unsicherheit offen. Im Beispiel fällt das Tablet aus, während noch ein bekannter Fluss und ein vorbereiteter Ausweichplatz verfügbar sind. Diese Optionen sind hilfreicher als hektisches Neustarten bei gleichzeitig sinkender Höhe. 00:11:26 Lernfrage Q06 Was macht eine GNSS-Route rechtlich und fliegerisch nutzbar? Antwort A: Allein die sichtbare farbige Linie. Antwort B: Die Planung mit aktuellen Daten und Prüfung der Bedingungen. Antwort C: Nur ein großer Bildschirm. Antwort D: Die automatische Wahl des kürzesten Wegs. Wähle eine Antwort und begründe deine Entscheidung. 00:12:00 Auflösung Q06 Richtig ist Antwort B: Die Planung mit aktuellen Daten und Prüfung der Bedingungen. Die Positionstechnik ersetzt weder Luftraumprüfung noch Wetter-, Leistungs- und Ausweichplanung. 00:12:16 Wiederholen und anwenden Du hast die Grundlagen im Fach Navigation bearbeitet. Beschreibe die sechs Zusammenhänge jetzt in eigenen Worten. Wiederhole die Fragen, bei denen du unsicher warst, und besprich offene Punkte mit deinem Fluglehrer. Auf der Kursseite findest du alle Fragen mit Lösungen, den Sprechertext, Untertitel, Kapitelzeiten und weiterführende Quellen. Nutze für die Prüfung zusätzlich den aktuellen Fragenkatalog deiner beauftragten Stelle. Für die praktische Anwendung trainierst du die Verfahren mit deiner Flugschule am verwendeten Ultraleichtflugzeug.